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Können/müssen wir auf den Klimawandel reagieren ?

1.  Auf mehr Wetter-Extreme einstellen.

Auch wenn z.T. darüber gestritten wird, ob es überhaupt einen Klimawandel gibt: ist es offensichtlich, dass das Klima selbst in unseren Breiten unberechenbarer wird und es mehr Extreme gibt als zu unseren bisherigen Lebzeiten: Hochwasser, Starkregen, Wirbelstürme.

Obwohl nach den bisherigen Prognosen die Sommer tendenziell trockener und die Winter wärmer werden, sind Sommer mit vermehrtem Starkregen und gelegentlich sehr kalte Winter ebenso möglich.

Winterfall: Da wir uns auf wärmere Winter nicht verlassen können, können wir auch die Heizung nicht ganz abschaffen.

Zu empfehlen ist im Gegenteil eine überdurchschnittlich gut gedämmte Gebäudehülle, die bei starkem Temperaturabfall sehr träge reagiert, etwa wie beim Passivhaus. Das ist  eine Art Versicherung für den möglichen Ausfall des Heizsystems (z. B. durch Stromausfall). Der Abfall der Innentemperatur bei Ausfall der Heizung beträgt im Passivhaus bei Temperaturen unter 10 Grad Minus nur 1 Grad pro Tag. Da lässt es sich schon mal eine Woche aushalten. Zudem schützt die Hülle auch gegen Hitze im Sommer. Wird zudem ein Kamin oder eine zentrale Holz-Feuerungsanlage eingeplant, lassen sich auch bei längerem Stromausfall Heizung und Warmwaser sichern.

Sommerfall: Die Wohnung im Sommer kühl zu halten und genügend Frischluft zu garantieren, wird langfristig eher zum Problem als es im Winter warm zu bekommen. Insofern ist dem Schutz vor zu viel Sonne im Sommer mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das beginnt mit der Ausrichtung der Häuser auf dem Grundstück, schließt das Verhältnis von Glasfläche zu Wand je Himmelsrichtung ein, auskragende Balkone und überstehende Dächer als Verschattungsmöglichkeiten, aber auch technische Entwicklungen, etwa Partikelzusätze in den Wänden, die tagsüber Wärme aus dem Raum absorbieren und bei Abkühlung am Abend wieder abgeben (PCM phase change materials).

Eine Komfortlüftung mit vortemperierter Zuluft und Wärmerückgewinnung ist an heißen Sommertagen ebenso zu empfehlen wie im Winter, wegen der Raum-Atmosphäre und der Energieeffizienz sowie zur Vermeidung von Schimmel und gesundheitlichen Schäden. Es sollte dafür gesorgt sein, dass - neben dem zumeist halbjährlichen Filterwechsel - die Luftkanäle über Revisionsöffnungen  für eine Reinigung zugänglich sind, die etwa aller 10 Jahre erfolgen sollte.

Low-Tech-Varianten prüfen

Früher wussten die Baumeister in heißen Gegenden die Belüftung und Klimatisierung mit einfachen Techniken herzustellen.  Es gab Atriumhäuser mit Wasserflächen innen, die nach außen geschlossen und zum schattigen, temperierten Innenhof offen waren, etwa in arabischen Ländern wurden  Schächte integriert, die einen Luftsog erzeugten und ein effizientes Lüftungssystem darstellten. Theoretisch wäre die Nutzung alter Low-Tech-Prinzipien auch heute in vielen Fällen möglich, wenn man sich damit auseinandersetzt.

Das Haus sollte angemessen auf Starkregen, Hagel, Sturm, Grundwasseranstieg reagieren können.

Bei Katastrophen welcher Art auch immer ist mit längerem Stromausfall zu rechnen und ggf. zu bedenken, was im Haus dann passiert und wie die wichtigsten Funktionen aufrecht erhalten werden können.

Nach Vorhersagen u. a. der NASA ist nicht auszuschließen, dass  an Intensität und Häufigkeit zunehmende Plasmastürme von der Sonne im aktuellen, außergewöhnlich verlaufenden Sonnenzyklus, der bis Ende 2012 geht, auch Deutschland treffen können. Ähnliche Ereignisse hatten schon 1989 in Ostkanada und 2003 in Schweden zu einem großflächigen Ausfall der Stromversorgung geführt.

Bei katastrophenbedingtem längerem Stromausfall sind lokale, ggf. regionale Nahwärmenetze mit Kraft-Wärmekopplung, also paralleler Stromerzeugung, vermutlich weniger anfällig. Zumindest ist hier kein großflächiger Ausfall zu fürchten.

Fazit: Es gibt bei der Planung mehr zu bedenken als noch vor 10, 20 Jahren. Der richtige konstruktive Ansatz wird wichtiger, der Gebäudehülle sollte besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, z. B. gut gedämmt und wärmebrückenfrei sein,

Eine Komfortlüftung ist heute eine stimmige Ergänzung zur zunehmend dichten Hülle. Die Haus- und Energietechnik  sollte ein stimmiges Ganzes ergeben, das Ergebnis robust auf Wetterextreme reagieren können. Insofern ist zu überprüfen, wie sich High-Tech und Low-Tech, altes Wissen nund neue Technologien, sinnvoll ausbalancieren und kombinieren lassen.

2. Den weiteren Anstieg der Energiepreise einkalkulieren.

Ob sich die fossilen Brennstoffe erschöpfen oder doch neue gefunden werden, die Gewinnung wird zumeist aufwändiger und damit der Brennstoff auf jeden Fall teurer, hinzu kommt die CO2-Freisetzung, die den Klimawandel fatal weiter beschleunigt.

Es empfiehlt sich jedenfalls, den Verbrauch an Heizenergie und Strom so weit wie ohne Komforteinbuße möglich zu reduzieren, nicht zuletzt durch eine klug geplante und gut gedämmte Gebäudehülle.

Und der Restbedarf sollte möglichst durch erneuerbare Rohstoffe, Sonnenenergie usw. abgedeckt werden. Wo möglich ist eine eigene Stromerzeugung zu prüfen, mit der sich dann vielleicht gleich das Elektroauto betreiben lässt.

3. Unser Verhältnis zur Natur überdenken

Nach meinem Empfinden haben wir - jeder Einzelne mehr oder weniger - uns seit vielen Jahrzehnten und vielen Genrationen immer weiter von der Natur entfernt und damit auch einen wichtigen Teil unserer eigenen Natur ausgeblendet.

Es geht auch nicht nur um Wissen. Natur kann man zu einem bestimmten Teil nur erfahren, nicht aus Büchern lernen. Gerade um diesen Teil ist es besonders traurig bestellt und immer mehr Menschen empfinden diesen Mangel.
Ich möchte in meinem Haus nicht abgeschnitten sein von Naturstimmungen, möchte meinen Tag ausrichten am Lauf der Sonne. Durch die Morgensonne geweckt werden, vielleicht auch in der Morgensonne frühstücken, am Feierabend die Abendsonne genießen und nachts feststellen können, wo sich der Mond befindet.

Ich hätte gern große Fenster mit Blick ins Grüne, so dass Innen- und Außenraum ineinander übergehen. Und natürlich möchte ich bei aller Offenheit auch einen Rückzugsbereich haben, der intimer ist, wo ich ungestört bin.

Die Natur zeigt uns ebenso wie der gesellschaftliche Wandel, dass wir unser Sicherheitsdenken überprüfen und lernen müssen, dass nicht jede unvorhergesehne Änderung eine Katastrophe ist, und dass wir selbst mit Katastrophen umgehen lernen sollten.

Vielleicht hilft uns das, lockerer zu werden und neue Chancen zu entdecken. Leben ist Wandel.