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02/2011 - Wettbewerbsbeitrag der TU Dresden: Ein Plusenergiehaus, das zusätzlich Strom für zwei Elektroautos produziert

Wettbewerbsbeitrag der TU Dresden:

Plusenergiehaus, das zusätzlich den Strom für 2 Elektroautos produziert

Die architektonische Gestaltung steuerte Reinhard Mayer, Lehrstuhl Wohnbauten der Fakultät Architektur, bei.

Die Aufgabenstellung der Bundes-Forschungsinitiative Zukunft Bau hörte sich eher nach „Wohnmaschine“ an: Ein nahezu energieautarkes Haus zu entwickeln, das nicht nur den eigenen Strombedarf für Heizung, Kühlung und Haushalt produziert, sondern auch den für zwei Elektroautos, die damit insgesamt 29.000 km im Jahr fahren können. Die Frage war: Ist das derzeit überhaupt möglich? Das alles konzipiert mit recyclingfähigen Baustoffen für einen leicht verschatteten Platz in Berlin und für eine vierköpfige Familie, die sich natürlich wohlfühlen soll. Der gestalterische Anspruch war daher ein weiteres Bewertungskriterium.

Achtbarer zweiter Platz

Am Wettbewerbsbeitrag der TU Dresden waren unter Leitung von Prof. Clemens Felsmann, Energietechnik, insgesamt sieben Institute und Lehrstühle beteiligt, darunter Gebäudelehre und Entwerfen, Bauklimatik, Angewandte Informatik und Umweltökonomie. Die Motivation der Beteiligten, das Projekt in nur sechs Wochen zu stemmen, erklärt Prof. Felsmann mit dem Reiz, Aspekte der Energieautarkie und der E-Mobilität als Bestandteil zeitgemäßen Wohnens zu begreifen und sie gestaltbildend in ein architektonisches Gesamtkonzept einzubinden. Auf der Bauleitmesse 2011 in München wurde am 17. Januar der Beitrag der TU Dresden von Bundesbauminister Ramsauer mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Den ersten Preis erhielt der Beitrag der Uni Stuttgart (Projektleitung Prof. Werner Sobek). Das Team um Prof. Manfred Hegger, TU Darmstadt, bekannt für innovative Solararchitektur (Solar Decathlon), kam hier nur in die engere Wahl.

Womit punktet der Dresdner Beitrag?

Es wurde ein zellulosegedämmtes Holzhaus (nachwachsender Rohstoff) mit 142 m² Wohnfläche entworfen. Die Dachneigung ist für den speziellen Standort optimiert, um ein Maximum an Solarertrag zu gewinnen. Ergänzend erhält die Glasfassade architektonisch gut integrierte schwarze, rahmenlose Dünnschicht-PV-Module. Da Dachform und Wandverkleidung je nach Standort variiert werden können, ist das modulare Konzept auch anderswo gut umsetzbar. Der Stromertrag dient u. a. dem Betrieb der Luft-Wärmepumpe, die Heizung und Warmwasserbereitung gewährleistet. Die Außenluft wird mittels Erdwärme vortemperiert, um behagliche Temperaturen effizient zu gewährleisten. Im hinterlüfteten Zwischenraum von Innen- und Außenfenster sorgt eine Jalousie bei Bedarf für Verschattung. Der gut dimensionierte Energieertrag ist mit einem 30-kWh-Pufferspeicher kombiniert. So ist ein Eigennutzungsanteil der Stromerzeugung von 53 % möglich. Über Touch-Screens und adaptive Regelungsmöglichkeiten kann der Nutzer Haustechnik und Elektromobilität bedarfsgerecht optimieren. Das intelligente Haus macht zugleich Vorschläge für die Steuerung der Haustechnik, etwa auf der Grundlage der aktuellen Wettervorhersage.

Realisierung für privaten Investor möglich

Die Jury honorierte, dass Grundriss- und Gebäudeform das Potenzial für ein vermarktungsfähiges Konzept haben. Noch liegen die Kosten eines solchen Hauses zwischen 750.000 und 1 Mio. €. Allerdings, so Dr. Rudolf Plagge vom Institut für Bauklimatik, hat die Firma Haacke Haus bereits Interesse angemeldet. Fände sich ein Bauherr oder Investor, würde Haacke ggf. das Grundstück beisteuern. Wird eine Serienreife erreicht, könnten Kosten um 500.000 € für ein intelligentes Haus mit Stromversorgung einschließlich Elektromobiliät realistisch sein. Der Wettbewerb war ein Schritt auf dem Weg dorthin.

Dr. Ursula Unger 02/2011