04/2008 - Passivhausstandard in wenigen Jahren verbindlich
Paradigmenwechsel in der Bauwirtschaft
Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen lädt im Juni nach Stuttgart
Erst vor gut drei Monaten, im Januar 2008, wurde die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) gegründet. Zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern gehören namhafte und international renommierten Architekten, Bauingenieure und Planer, zahlreiche Universitäten und Unternehmen, darunter Prof. Werner Sobek, Behnisch Architekten, Drees & Sommer, Hochtief AG, TÜV Rheinland und die Deutschen Bank.
Die Gesellschaft will auf den mit Klimawandel und Ressourcenverknappung verbundenen Paradigmenwechsel der Bauwirtschaft reagieren und Wege zum nachhaltigen Bauen zeigen, von der Planung über die Ausführung bis zur Nutzung von Gebäuden, in der letzten Konsequenz bis zum Recycling ihrer Bestandteile.
Wer das Glück hatte, am 16. April in Dresden den Vortrag von Prof. Werner Sobek zu hören, konnte eine Ahnung davon bekommen, welche Herausforderungen und spannenden Entwicklungen mit einer konsequent nachhaltigen Gebäudeentwicklung verbunden sein können. In seinen Beispielen ging es etwa um ressourcensparenden Ultraleichtbau mit Materialien, die mit extrem wenig Eigenmasse große Lasten intelligent abfangen können, um Textilien als Dachhaut, die Wärmedämmung ebenso wie Schallschutz garantieren, um große Glasflächen, die je nach Bedarf infrarotes Licht einlassen oder reflektieren, also im Winter mit solaren Gewinnen heizen, aber im Sommer Überhitzung ausschließen, die unliebsame Einblicke verhindern und flexibel auf Umwelteinflüsse regieren können. Das alles verbunden mit höchstem Anspruch ans Design und vieles davon bereits in der Praxis gebaut.
Die neuen Anforderungen, Energie zu sparen sowie emissionsfrei und recyclingfähig zu bauen, werden zu einer anderen Architektur führen, meint Sobek.
Die DGNB will für nachhaltige Bauwerke ein Zertifikat entwickeln, das bei weitem nicht nur die Energieeffizienz bewertet. Es geht um Qualität in einem umfassenden Sinn. Nachhaltige Gebäude sind wirtschaftlich effizient, ressourcensparend, für die Nutzer behaglich und gesund und fügen sich optimal in ihr sozio-kulturelles Umfeld ein.
In anderen Ländern, darunter den USA, werden solche umfassenden Gebäudezertifikate bereits seit Jahren erprobt und vervollkommnet, was sich allerdings als kompliziert erweist. Am weitesten verbreitet ist das LEED-System (Leadership in Energy and Environmental Design) – ein Ratingsystem für Green Buildings. Die DGNB ist zugleich Mitglied beim World Green Building Council.
Auch Banken orientieren sich zunehmend an Nachhaltigkeitskonzepten bei der Kreditvergabe. Nachhaltigkeit wird zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor.
Im 17. und 18. Juni veranstaltet die DGNB auf dem Gelände der Neuen Messe Stuttgart ICS einen internationalen Kongress mit Fachausstellung unter der Bezeichnung „consense“.
Der Kongress richtet sich an Architekten und Planer, Investoren, Industrie und Bauunternehmen, Produkthersteller und Dienstleister, Hochschulen und Bildungseinrichtungen, Politik und Verbände. Er will neueste Trends vermitteln, neue Techniken und innovative Bauprodukte, Technologien und Gebäudelösungen vorstellen. Der konsequente Praxisbezug ist ein Leitgedanke der Consense. Workshops und Exkursionen runden das Programm ab.
Informationen: www.dgnb.de
Dr. Ursula Unger 04/2008






