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09/2006 - Neues Passivhaus in Leipzig öffnete für Interessenten

„Es hört sich wie ein Wunder an”, fasst ein Besucher seinen Eindruck über die Fach-Erläuterungen zum Einfamilien-Passivhaus der Familie Wünsch in Leipzig zusammen.

Dem Angebot zur Besichtigung des fast fertigen Hauses der Familie Wünsch in Böhlitz-Ehrenberg waren am 8. Juli 2006 gut 50 Neugierige gefolgt, weit mehr als Bauherr und Baufirma erwartet hatten. Folglich hat Stephan Wünsch, der zwischendurch am Haus weiter arbeiten wollte und gerade gekälktes Eichen-Fertigparkett im Erdgeschoss verlegt, nicht viel geschafft an diesem Tag. Natürlich gab er gern Auskunft.
Vor diesem Projekt hatte die Familie bereits Erfahrung mit dem Sanieren eines Altbaus gesammelt, war dann nach Leipzig gezogen, fand hier keinen geeigneten und kostengünstigen Altbau und entschied sich deshalb für den Neubau eines Eigenheims. „Wenn schon neu, dann sollte es auch auf dem modernsten Stand der Technik sein, mit geringem Energieverbrauch, gesundem Raumklima“, erklärt Stephan Wünsch. Auf der Immobilienmesse im Paunsdorf-Center hat ihn das Konzept von Kettner-Haus überzeugt und so ist ein individuell zugeschnittenes Passivhaus entstanden, das mit einem Verbrauch von 13 kWh pro m² und Jahr zudem minimale Energiekosten und hohen Wohnkomfort garantiert.
altDas Haus ist nicht unterkellert und hat eine Wohnfläche von rund 150 m². Es wirkt luftig und großzügig, bietet Platz zum Leben und Arbeiten, auch für Gäste zum gemeinsamen Essen, Feiern und Musizieren.

Heizung

altDas Passivhaus kommt nahezu ohne Heizung aus, lediglich im Bad und im Esszimmer ist eine Fußbodenheizung installiert, die ebenso wie das gesamte Warmwasser zu 90% vom Solarkollektor (11 m²) mit Wärme versorgt wird. Ein 1000-Liter-Speicher sorgt für ausreichend Vorrat an Heißwasser, ein intelligentes Wärmemanagementsystem der Fa. Sandler regelt, dass die Wärme dorthin geht, wo sie gerade gebraucht wird.
Zum Nachheizen steht für die kalte Jahreszeit ein Kamin im Esszimmer bereit, dessen Heizleistung überwiegend nicht an den Raum (das würde rasch unangenehm heiß), sondern an das zu erwärmende Wasser abgegeben wird. Das Flackern des Feuers beim Verbrennen echter Holzscheite kann man natürlich trotzdem genießen. Das Bad im Obergeschoss kann durch einen Handtuchtrockner zusätzlich mit Wärme versorgt werden.

Lüftung

Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist ein zentraler Bestandteil der Haustechnik eines jeden Passivhauses. Bei Familie Wünsch wird zunächst Erdwärme genutzt. In einem Abstand von ca. einem Meter von der Hauswand zieht sich ein Rohr in 1,5 m Tiefe um das Haus. Über dieses Rohr wird Frischluft angesaugt, die auf dem Weg durch das Erdreich im Winter vorgewärmt und im Sommer leicht gekühlt wird. Bevor diese temperierte Luft in die Wohnzimmer gelangt, wird sie noch gefiltert, so dass Staub, Pollen und Insekten draußen bleiben. Im Winter wird zudem der Abluft Wärme entzogen und damit die Frischluft auf die gewünschte Temperatur gebracht. Von den Lüftungsrohren ist in den Zimmern nichts zu sehen. Nur je eine unscheinbare Öffnung an der Wand sorgt für den regelmäßigen Luftaustausch. Mittels spezieller Schalldämmung arbeitet die Lüftung im Prinzip geräuschfrei.
Auch ohne Fensterlüftung haben die Bewohner ständig frische Luft. Natürlich könnte man, erklärt Herr Kessenich von Kettner-Haus, selbst im Winter die Fenster öffnen oder im Sommer die Lüftung ganz abschalten. Da aber die Luft im Sommer vorgekühlt, Staub und Pollen ferngehalten werden, ist es komfortabler, die Anlage auch in der warmen Jahreszeit zu nutzen.

Kosten

Die Mehrkosten für die hochwertige, wärme- brückenfreie Gebäudehülle mit 30 cm Dämmung und passiv- hausgeeigneten hochwertigen Holzfenstern, für Lüftungs- und Solaranlage sowie die dazugehörigen Steuerungstechnik und für die Luftnacherwärmung mit Warmwasser-Heizregister reduzieren sich, indem zum Beispiel kein Heizkessel mehr erforderlich ist. Unterm Strich liegen sie bei etwa 20.000 Euro. Da jedoch die Finanzierungskosten für diesen zusätzlichen Betrag geringer sind als die sofort erzielte Einsparung durch die minimalen Heizkosten, rechnet sich die Investition von Beginn an. Je stärker die Energiepreise steigen, umso mehr. Zudem ist mit diesem Standard mindestens Wertstabilität, wenn nicht Wertsteigerung vorprogrammiert, was sich auch am Energiepass ablesen lässt.
Die Baukosten insgesamt liegen für das Haus der Familie Wünsch mitsamt aller Technik nur etwas über 1.300 € pro m² Wohnfläche. Als Durchschnittswert rechnet man beim Passivhaus mit Baupreisen von etwa 1.500 € pro m².

Wunder

Eigentlich ist so ein Passivhaus auch ein kleines Wunder, entgegnet Uwe Kettner dem oben zitierten Besucher, aber letztlich sei es eben Ergebnis von Forschung, Physik, Anwendung moderner Technik. Erstaunlich ist für ihn eher, dass bei den offensichtlichen Vorzügen nicht mehr Bauherren den Mut zum Passivhaus haben. Beim Auto möchte jeder das Modernste fahren. Aber beim eigenen Wohnhaus bauen die meisten weit unter dem Stand der Technik, so als entschiede man sich heute für ein Auto ohne Katalysator.

Vielleicht steigen der Mut und das Interesse mit der Zahl positiver Beispiele in der Region. Das Haus in Böhlitz-Ehrenberg ist garantiert eines.